Kerstin Engels und Anja Vollmann unterwegs in Namibia, Botswana & Simbabwe
Sternennächte, Wüstenelefanten und das Gefühl von absoluter Abgeschiedenheit
„In wenigen Minuten beginnen wir mit dem Landeanflug auf Windhoek.“
Mein Herz hüpft vor Vorfreude! Das meiner Kollegin Anja klopft dagegen noch etwas verhalten – es ist ihre erste Reise nach Afrika und somit schwingen zunächst einmal Lampenfieber und einige Bedenken mit.
„Namibia“ – der Name stammt aus der Sprache der Nama und bedeutet so viel wie „weiter Platz“. Und besser könnte man dieses spektakuläre Land kaum beschreiben: Weite, Stille, Freiheit! Namibia ist kein Land, das man einfach nur „besucht“. Es ist eine Landschaft, die sich tief ins Herz brennt – voller magischer Momente und ehrfurchtgebietender Natur.
Für unsere Dienstreise haben wir bewusst die klassischen Routen verlassen und haben den Reiseverlauf an den Bedarf von Umfulana angepasst: Welche bekannten Unterkünfte möchten wir nochmal persönlich besuchen? Welche neu eröffneten Camps wollen erkundet werden? Und welche Regionen verdienen künftig mehr Aufmerksamkeit?
Erste Etappe: Erongo-Gebirge
Und so führte unsere erste Etappe direkt ins Erongo-Gebirge – das Land der gigantischen Granitmurmeln. Hier glaubt der Betrachter beinahe, ein Riese hätte tonnenschwere Kieselsteine aufgestapelt, die je nach Sonneneinstrahlung ihre Farbe verändern. Und wenn die Sonne dann untergeht, entfaltet Namibia hier sein vielleicht größtes Wunder, einen atemberaubenden Sternenhimmel. Denn die trockene und klare Luft, frei von Lichtverschmutzung, gibt den Weg frei auf die Milchstraße und Millionen Sterne. Anja und ich haben die halbe Nacht im Freien verbracht, weil wir uns von diesem Anblick einfach nicht lösen konnten und gemessen an der Anzahl von Sternschnuppen, sollten alle unsere Wünsche in Erfüllung gehen.
Nächster Halt: Damaraland
Sobald man diese Region betritt, fühlt man sich wie die Hauptfigur in einem Roadmovie. Vor uns erstreckt sich eine schier endlos wirkende, fast prähistorische Kulisse aus rostroten bis rosafarbenen Bergen. Hier gibt es keine eingezäunten National Parks, die Natur gehört sich selbst und die Tiere leben in völliger Freiheit! Wer hier unterwegs ist, kann mit einem Quäntchen Glück auf die heimischen Wüstenelefanten und Nashörner treffen.
Und Anja? Die hatte sich genau hier schockverliebt! Ihre anfängliche Skepsis ist komplett verflogen und Namibia hat uns beide verzaubert.
Schon bei der Planung unserer Reise hatte ich Anja prophezeit: „Wart’s nur ab – nach unserer Rückkehr wirst du die gravel roads vermissen und dich auf deutschen Asphaltstraßen zu Tode langweilen!“
Und genauso ist es gekommen, denn wer über die endlosen Schotterpisten durch das Damaraland fährt, erlebt ein Gefühl von Freiheit, das in unserer modernen Welt selten geworden ist. Stundenlang begegnet man keiner Menschenseele; das Einzige, was zählt, ist der Weg, der staubige Horizont und das Gefühl von purer Lebensfreude.
Noch wilder und ursprünglicher: Hoanib Valley
Und dann wird es noch einsamer, noch wilder und ursprünglicher, denn wir betreten das Hoanib Valley - mein persönliches Highlight auf dieser Reise!
Es gibt hier zwar kein Café aber dafür einen Ort am Rande der Welt, verborgen im entlegenen Kaokoveld, wo Zeit und Zivilisation jede Bedeutung verlieren. Es ist ein Gefühl von absoluter Abgeschiedenheit und tiefer Erdung. Hier gibt es nur das Knirschen des Sandes unter den Stiefeln, das leise Rascheln der Akazienblätter im Wind und das Wissen, an einem Ort zu sein, der seit Jahrtausenden unberührt scheint.
Ich wollte unbedingt selber durch diese Wildnis fahren, doch Anja hatte im Vorfeld ihr Veto eingelegt, da die wenigen Unterkünfte, die alle im Premium Level liegen, auf Satelitentelefone verwiesen hatten. Und ich muss leider zugeben - sie hatte Recht. Denn hier gibt es keine Straßen, keine Schilder, keine Tankstellen, keine Menschen und auch keinen Handyempfang! Es ist ein echter Geheimtipp, der auch für erfahrene Namibia-Reisende noch eine Überraschung bereit hält.
Ein Klassiker: Etosha-Nationalpark
Vom verzauberten Ende der Welt führte unsere Route nun zu einem der großen Klassiker jeder Namibia-Reise, in den Etosha-Nationalpark mit seiner faszinierenden Tierwelt.
Für Anja war es eine Premiere: Ihr allererstes Nashorn in freier Wildbahn und dazu mit einem Baby!
Gefühlt hat sie hier in wenigen Minuten den gesamten Speicher ihrer Kamera gefüllt.
Hier durften wir nicht nur die faszinierende Tierwelt bewundern, sondern haben auch die unterschiedlichsten Unterkünfte besucht. Ob luxuriöse Lodge direkt am Parktor, stilvolles Camp mit eigenem, beleuchtetem Wasserloch oder herzliche, rustikale Gästefarm – in Etosha gibt es für jeden Reisestil die entsprechende Unterkunft.
Magische Wasserwelten: Zambezi-Region
Zeigte sich Namibia bisher vor allem in imposanten Rot- und Brauntönen, erwartete uns nun im schmalen Caprivi-Zipfel ganz im Nordosten des Landes – der heutigen Zambezi-Region – ein spektakulärer Kulissenwechsel. Plötzlich dominierten saftiges Grün und strahlendes Blau! Es grünt, es blüht, und wohin das Auge reicht, glitzert das Wasser sanft in der Sonne.
Diese wasserreiche Region grenzt direkt an den Chobe-Nationalpark im benachbarten Botswana, berühmt für seine riesige Elefantenpopulation. Passend zum Landschaftswechsel veränderten sich auch das Safari-Erlebnis: Der klassische Game Drive im Geländewagen weicht nun geräuschlosen Bootstouren auf den Flüssen. Denn die beste Sicht auf Hippos, Krokodile und badende Elefanten hat man hier zweifellos vom Wasser aus.
Krönender Abschluss: Victoria Falls
Zu guter Letzt ging es für uns nach Simbabwe zu den imposanten Victoria-Fällen. Mosi-oa-Tunya – „Der Rauch, der donnert“ – heißt dieses Naturschauspiel in der Sprache der Einheimischen. Und man versteht sofort, warum! Wenn die Fälle ihren höchsten Wasserstand erreichen, zwischen März bis Juni, rauschen 500 Millionen Liter Wasser pro Minute in die Tiefe; Gischtwolken steigen wie weißer Rauch auf, das Donnern des Wassers hört man bereits Kilometer vorher und Regenbögen verzaubern die Schluchten.
Als wir den Regenwaldpfad entlang spazierten, peitschte der Wind die Gischt aus der Schlucht direkt zu uns hinauf – das Wasser kam sprichwörtlich von oben, unten, links und rechts!
Unser Fazit? Pitsche-patsche nass, aber strahlend und überglücklich!