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Südafrika

Tobias Garstka und Merwin Rabe in Südafrika
Das Kap ohne Tiere – und warum das die beste Entscheidung war

Manchmal ist die überraschendste Erkenntnis einer Reise die, mit der man gar nicht gerechnet hat: dass man auf Tiere verzichten kann – und die Reise dadurch nicht ärmer, sondern reicher wird. Genau das haben wir auf unserer jüngsten Erkundungstour durchs Western Cape erlebt.

Der Auftakt: eine Messe und ein Auto mit Charakter

Im April 2026 waren wir zur WTM Africa in Kapstadt, dem kleinen Ableger der Londoner Reisemesse, auf der sich vor allem Unterkünfte aus dem Western Cape vorstellen. Doch der eigentliche Reiz der Reise begann erst danach – als wir uns mit unserem Suzuki Jimny auf den Weg machten, um die Gegend neu zu entdecken. Dieses Auto wollten wir unbedingt einmal selbst testen, und es hat uns nicht enttäuscht: laut, direkt, jedes Schlagloch spürbar – aber genau deshalb ein Gefühl von echtem Kontakt zum Land. Der Allradantrieb bewährte sich auch in den Cederbergen, und der mitgelieferte Kühlschrank erwies sich als unschätzbarer Vorteil für spontane Einkäufe und Selbstversorgung unterwegs.

Kapstadt: fünf Häuser, ein Gefühl

In Kapstadt selbst stießen wir auf eine echte Entdeckung nahe der Kloof Street: ein Hotel, das sich über fünf kleine, charmante Häuser verteilt – fußläufig zu Restaurants und kleinen Läden, und trotz seiner Größe nie unpersönlich. In Camps Bay fanden wir gleich zwei gegensätzliche Perlen: eine lässige, junge Unterkunft mit Pool in Strandnähe, wie gemacht für Surfer und Sonnenanbeter, und ein exklusives Fünf-Sterne-Boutiquehotel mit nur vier Zimmern, traumhaftem Blick über die Zwölf Apostel und einer herzlichen deutschen Gastgeberin. Ein weiteres Highlight: ein aus zwei historischen Häusern zusammengeführtes Hotel, gestaltet von der Innenarchitektin des Besitzerpaares – ein Fest der Farben und Dekoakzente, wenige Gehminuten vom Meer entfernt.

Kogelberg: Stille, die man erst finden muss

Von Kapstadt aus ging es weiter Richtung Hermanus – und hier warteten die vielleicht eindrücklichsten Momente der ganzen Reise. Im Kogelberg-Naturreservat, von dem wir schon lange gehört, aber nie einen wirklichen Zugang gefunden hatten, entdeckten wir Selbstversorgerunterkünfte, die nur wenige Minuten von der Hauptstraße entfernt liegen und einem doch das Gefühl geben, vollkommen in der Wildnis zu sein. Kein Handyempfang, kein Internet – nur ein Tal voller Fynbos, ein großer Fluss und unzählige Vogelstimmen.

Mit einem ortskundigen Guide wanderten wir drei Stunden am Fluss entlang, sprangen zwischendurch ins kühle Wasser, und ließen den Abend bei einem liebevoll vorbereiteten Essen ausklingen. Diese Unterkunft bieten wir künftig auch mit Guide und Verpflegung an: Der erste Tag begleitet, der zweite Tag zur freien Verfügung – mit Pool, kleinen Spaziergängen und der Ruhe, die diesen Ort so besonders macht.

Hermanus: Sonnenaufgänge, Wale und die Weite des Ozeans

Rund um Hermanus warten Erlebnisse, die weit über die bekannten Walbeobachtungstouren hinausgehen: ein früher Aufstieg mit Stirnlampe zum Sonnenaufgang, oben Tee und Kaffee mit Blick über das erwachende Land – oder ein Strandspaziergang mit Yoga und Schwimmen. Kleine, bezahlbare Erlebnisse, die dieser Region eine ganz neue Tiefe verleihen.

Weiter südlich erwartete uns dann eine Big-Five-Safari auf dem Wasser: Ein Wal – obwohl gar keine Saison war –, Rochen, Haie, Pinguine und Seevögel begleiteten uns auf einer bestens organisierten Bootstour. Übernachtet haben wir in einem winzigen Fünf-Sterne-Boutiquehotel mit eigenem Strandzugang, dessen Gastgeber selbst im Haus wohnen – ein Ort für alle, die Exklusivität und Abgeschiedenheit suchen.

Über Farmen und Pässe in die Cederberge

Auf dem Weg landeinwärts hielten wir auf einer Farm, deren Gastgeber so herzlich sind, dass wir uns kaum losreißen konnten – kein Wunder, dass so viele unserer Gäste dort schon eine ganze Woche verbracht haben und wiederkommen. Über eine einsame Passstraße ging es hinauf in die Cederberge, vorbei an einer Glamping-Unterkunft, die auf Bildern spektakulär wirkte, sich vor Ort aber als zu einfach und windanfällig erwies – eine Erkenntnis, die uns hilft, unseren Gästen ehrlich die richtigen Adressen zu empfehlen. Weit lohnender: eine Olivenfarm an einem Fluss, mitten in einsamer, wunderschöner Landschaft, mit Selbstversorger-Optionen für zwei bis zehn Personen. Hier verbringt man die Tage am liebsten wandernd, im Kanu, schwimmend im Fluss – und einfach in der Stille.

Ein Seecontainer, ein Zelt mit Hot Tub – und ein Flughafenhotel, das keines ist

In Clanwilliam übernachteten wir in einem zur Unterkunft umgebauten alten Seecontainer direkt an einem kleinen See – urig, unkompliziert, mit Blick zum Verlieben. In Stellenbosch dann die vielleicht größte Überraschung der Reise: eine Zeltunterkunft im Boschendal-Estate, hoch in den Bergen, mit einem atemberaubenden Blick über das gesamte Weintal. Jedes Zelt verfügt über einen eigenen Hot Tub und Hängematte, direkt vor der Tür beginnen Wanderwege zu einem Wasserfall. Und selbst das Flughafenhotel am Ende unserer Reise entpuppte sich als grüne Oase mit Pool und Schwimmteich – weit mehr als ein reiner Übernachtungsstopp vor dem Rückflug.

Die eigentliche Erkenntnis

Was diese Reise am meisten geprägt hat, war der bewusste Verzicht auf Safari-Erlebnisse. In der Nähe von Kapstadt gibt es keine großen Wildparks – und genau das haben wir dieses Mal nicht vermisst. Stattdessen entfaltete sich eine Region, die durch ihre Landschaften, ihre Menschen und ihre Vielfalt an Naturräumen bezaubert: von der Stille des Kogelbergs über die Weite der Cederberge bis zum Weinpanorama von Stellenbosch. Kurze Distanzen, immer neue Bilder, echte Begegnungen – das ist eine Art zu reisen, die nicht nach dem nächsten Tier sucht, sondern nach dem nächsten Moment. Wer möchte, kann diese Route natürlich weiterhin mit einer klassischen Safari im Krüger oder rund um Durban verbinden. Aber sie beweist: Das Western Cape braucht das nicht, um zu beeindrucken.

So sehr hat mich diese Tour begeistert, dass wir im Anschluss direkt eine private Reise für meine Familie gebucht haben – um diese Erlebnisse noch einmal zu vertiefen.

Falls Sie jetzt auch Lust bekommen haben, Südafrika ganz individuell zu erkunden, werfen Sie doch einen Blick auf unsere Reisevorschläge!

Veröffentlicht am Mittwoch, 26. August 2026